
DORLE UND DIRK UNTERWEGS IN DER WELT


Das Land wo der Pfeffer wächst. Doch hinter diesem für die meisten Menschen fremden Namen steckt ein wunderschönes Land mit freundlichen Menschen. Geografisch gesehen liegt es im westlichen indischen Ozean vor der Küste Ostafrikas, gleich neben Mozambique.
Wenn man sich für dieses Land interessiert und versucht eine Reise dorthin zu planen, merkt man sehr schnell das hierfür eigentlich ein Lottogewinn her müsste. Denn allein der Flug von Deutschland nach Antananarivo kostet schon ein kleines Vermögen. Aber ab da gehen die Schwierigkeiten eigentlich erst richtig los. Denn in Reisehandbücher u.ä. liest man immer wieder das Individualreisen nur unter schwersten Bedingungen und nur mit guten Französischkenntnissen möglich sind. Die wenigen Reiseveranstalter die Madagaskar im Programm haben, sind derart unverschämt mit ihren Preisen, das man als Normalverdiener sehr schnell abgeschreckt wird. Und genau das war für uns eine willkommene Herausforderung, denn ein Vermögen konnten und wollten wir für eine Reise in dieses Land nicht ausgeben, und französisch sprechen wir beide nicht. Hinzu kam natürlich auch noch, ein Land bereisen zu können, in dem jegliche touristische Infrastruktur noch in den Kinderschuhen steckt. Und so saßen wir sehr schnell mit unseren gepackten Rucksäcken im Flieger, und erreichten mit einmal Umsteigen auf Mauritius die faszinierende "Insel" Madagaskar.
Wenn man nach einem solch langen Flug endlich auf dem internationalen Flughafen von Antananarivo (die Hauptstadt des Landes) ankommt, ist man ganz schön geschafft. Aber man sollte besser topfit sein, oder zumindest alle Reserven noch einmal aktivieren. Denn man steigt aus dem Flieger, läuft zu Fuß über das Vorfeld in die Ankunftshalle, und schon trifft einen der Schlag. Mit einem Mal stürmt alles auf einen ein. Alle möglichen Menschen stürmen auf einen ein und versuchen dir irgendwas aufzuschwatzen oder dich irgendwo mit hin zu ziehen. Man sollte sich schnellstens dieser ach so netten Leute entledigen, und so schnell wie möglich sein ankommendes Gepäck an sich reißen und auch nicht wieder loslassen. Denn kaum hatten wir unsere großen Rucksäcke auf dem Rücken, schon hingen vorn und hinten schon die ersten angeblichen Gepäckträger an uns dran, und versuchten uns gegen unseren Willen irgendwo hinzuschaffen. Kommt man endlich mal aus der Gepäckhalle in die für alle zugängliche Ankunftshalle, geht der Spaß erst richtig los. Hier gesellen sich noch Taxifahrer und Schlepper dazu, und man bleibt keinen Augenblick unbeobachtet. Wir wechselten schnell etwas Bargeld, und ließen uns von einem Schlepper in ein für uns gutes und auch günstiges Hotel mitten in die Hauptstadt bringen. Wir hatten wirklich Glück, denn bei unserem Schlepper handelte es sich um einen jungen Mann, der einige Jahre in Deutschland studiert hatte, und so hervorragend deutsch sprach. So erfuhren wir mal das Wichtigste: 1. Als "Vazaha" (Fremde Weiße) sollte man bei Anbruch der Dunkelheit nicht mehr allein in den Straßen der Hauptstadt herumspazieren, und 2. "Mora-Mora". Das heißt so viel wie "immer mit der Ruhe....". Aber tatsächlich bedeutet es oft noch viel mehr, denn das scheint auch der Begriff für viel Zeit in der madagassischen Kultur zu sein.
Wir verbrachten drei hochinteressante aber auch schockierende Tage in Tana. Das mit dem Gefährlichen in der Dunkelheit können wir zum Glück nicht aus eigener Erfahrung bestätigen, aber ist aufgrund der teilweise bitteren Armut sehr gut nachzuvollziehen. Wir sahen oft völlig verwahrloste kleine Kinder auf der Straße herumliegen, denen die Fliegenschwärme direkt aus dem Mund kamen. Solche Anblicke gehen wirklich an die Substanz, und hätten für uns nicht sein müssen. Aber genau neben dieser Armut sind auch gut angezogene Geschäftsleute zu sehen. In der ganzen Stadt herrscht geschäftiges Treiben, und man wird immer wieder neugierig betrachtet.

Jedoch überaus höflich, und man wird nicht wie andernorts oft üblich ständig angesprochen und angefasst. Hier in der Stadt gibt es auch das Cercle Germano Malgache, kurz CGM, oder einfach deutsches Kulturinstitut. Hauptsächlich werden hier Deutschkurse für Madagassen angeboten, und es ist ein guter Ort zum Kontakte knüpfen. Wir lernten in der kleinen Cafeteria im 3.Stock einen gleichaltrigen Madagassen kennen, mit dem wir später eine wundervolle Tour durch den Westen des Landes machten. Tana muss man einfach auf sich
wirken lassen. Am besten organisiert man sich irgendwo einen Stadtplan und läuft los (natürlich sollte man hierbei die Armenviertel weitgehend auslassen).
Wir verließen nach drei Tage Tana mit unserem neuen Freund Ebe in Richtung Westen. Wir fuhren mit ihm erst einmal nach Antsirabe, der Stadt der Pousse Pousse .
So nennt man diese Gefährte, mit denen man sich für wenig Geld in der Stadt befördern lassen kann. In Antsirabe wimmelt es förmlich davon, und man kann sich vor den Fahrern mit ihren Klappergestellen kaum retten. Anschließend fuhren wir durch eine karg bewachsene, und für uns fast endlose Hügelkette nach Miandrivazo. Dies ist der Heimatort von unserem Freund Ebe, und liegt an dem Fluss Tsiribihina. Unser gemeinsamer Plan war, genau diesen Fluss von hier aus mit einem Einbaum bis zur Stadt Belo/Tsiribihina an der Mündung zum Meer zu befahren. Wir organisierten uns ein Boot mitsamt Führer, kauften genug Vorräte, und schon am nächsten Tag konnte es losgehen. An der Bootsanlegestelle herrschte reges Treiben, und alle schauten uns sehr interessiert zu. Viele Weiße scheinen hier noch nicht mit einem Einbaum gestartet zu sein.
Wir jedenfalls waren guter Dinge, und so paddelten und schoben wir unser Boot immer flussabwärts Richtung Meer. Die Eindrücke die wir bei dieser Fahrt gewannen, konnten kaum intensiver sein. Denn es lenkte uns keinerlei technischer Schnickschnack ab. Kein Telefon, kein Radio, nur Natur um uns herum. Hier auf und an dem Fluss zeigte Ebe seine wahren Qualitäten. Er sah sehr viele Tiere direkt am Ufer, die wir nie gesehen hätten. So steuerten wir dank ihm geradewegs auf ein großes Chamäleon zu, sahen es aber doch erst,als er es aus dem Busch nahm.
Solche Momente sind einfach gigantisch, denn solche Tiere sieht man ja bei uns nur im Zoo hinter Panzerglas. Und so sitzt einem solch ein Chamäleon mitten im Busch auf dem Arm und beäugt einen sehr misstrauisch. Unterwegs kamen wir immer wieder an wilden, riesigen Mangobäumen vorbei. Da hielten wir dann natürlich an, pflückten uns ein paar reife Früchte, und stopften uns damit die Bäuche voll. Einfach lecker, sonnengereift und schön fruchtig süß. Nicht dieses geschmacksneutrale Zeugs wie bei uns im Supermarkt. Oft sahen wir am Ufer auch große Zebuherden. Das sind die hier einheimischen Buckelrinder. Weil die Landschaft hier im Westen sehr karg und trocken ist, versuchen sich die Einheimischen immer wieder in Brandrohdung, und verwüsten dadurch ganze Landstriche. Die Spuren davon, und auch den Rauch der Feuer sieht man immer wieder bei der Reise durch´s Land. Wenn es dann abends zum Dämmern anfing, suchten wir uns eine geeignete Sandbank, auf der wir dann unser Nachtlager aufbauten.
Ebe bereitete dann über dem offen Feuer ein hervorragendes Abendessen, und wir erzählten uns unter einem gigantischen Sternenhimmel gegenseitig etwas von unseren Ländern und Kulturen. Morgens ging es dann nach einem kurzen Frühstück wieder auf den Fluss. Unterwegs gab es immer wieder was anderes zu entdecken. Allein die Pflanzenwelt hier kann einen begeistern. Die oft bizarren Wuchsformen in dieser doch recht kargen Landschaft sind einfach schön anzusehen. Als Pflanzenliebhaber hätte ich gern vieles mit nach Hause genommen. An Tieren gab es auch allerhand zu sehen. Am Ufer sahen wir neben Chamäleons auch Lemuren, schwarze Papageien, eine riesige Scharr Flughunde und viele verschiedene Vogelarten. Lediglich einmal sahen wir etwas aus unserer Sicht gefährliches.


Ebe lachte nur über unsere Reaktion, und fing die Schlange prommt ein, um sie uns besser zeigen zu können. Wir waren davon nur wenig begeistert, und konnten sie mit ein wenig Distanz doch wesentlich besser begutachten. Am Nachmittag des zweiten Tages kamen wir an einen wunderschön gelegenen Wasserfall. Er lag einige Gehminuten abseits im Busch versteckt, und sah für uns aus wie ein Teil des Paradieses. Herrlichster Bewuchs in den verschiedensten Grüntönen, am Fels überall Moose und Farne, und über uns in den Baumkronen tollten wilde Lemuren herum. Hier badeten und duschten wir ausgiebig, und füllten unsere Frischwasserreserven wieder auf. Das Wasser war zwar kristallklar, aber vorsichtshalber behandelten wir es doch noch mit Micropur.
Am nächsten Abend bekamen wir dann unverhofft Besuch. Wir hatten gerade unserer Lager aufgeschlagen, und waren mit dem Essen fertig, da kamen aus dem nahen Busch einige Kinder angelaufen. Kurz darauf erschienen dann noch die Mütter dazu, und alle setzten sich ums Feuer und uns herum, und betrachteten uns neugierig. Es war schon irgendwie eine lustige Runde, nur leider war Ebe als Dolmetscher hilflos überfordert, so dass eine Verständigung mehr mit Händen und Füßen stattfand. Irgendwo im nahen Hinterland mussten sie alle wohnen, denn so schnell wie sie kamen waren auch alle wieder verschwunden.
Nach drei vollen Tagen und Nächten am und auf dem Fluss waren wir dann am Ziel unserer Etappe angelangt. Wir erreichten mit Hilfe eines Zebucars den Ort Belo/Tsiribihina und die dahinter liegende Piste. Zebucar tauften wir die hier im Land üblichen Transportmittel, in Form eines total klapperigen Wagens und eines Zebus. Es ist schon ein Erlebnis mit einem solchen Gefährt zu reisen, denn die Räder sind oft so locker, dass sie sehr weit zur Seite ausschlagen, und man ständig auf der Hut sein muss.

Auf dieser Piste stiegen wir dann in ein 4x4 Geländewagen ein, den wir uns schon vor unserer Abfahrt für hier organisiert hatten. Denn so etwas wie öffentliche Verkehrsmittel gibt es außerhalb der Städte gar nicht, und man reist überwiegend als Anhalter auf der Ladefläche irgendwelcher Fahrzeuge mit. So erging es natürlich auch uns, denn auf der Ladefläche unseres Pick-Ups war ein reges kommen und gehen während der Fahrt. Richtig geteerte Straßen sind in diesem Teil des Landes ebenfalls Mangelware, und man ist mit einem 4x4
Fahrzeug doch auf der sicheren Seite. Oft ging es mit waghalsiger Geschwindigkeit durch den Busch, es wurden übelste Sandpisten noch tiefer zerfurcht, oder wir mussten Flüsse auf nicht sichtbaren Furten durchqueren. Unterwegs besuchten wir die Forschungsstation Kirindy, in der wir auch junge deutsche Studenten antrafen. Sie befassen sich hier mit der Wiederaufforstung der Region, und natürlich auch mit den Lebewesen die hier vorkommen. Hier machten wir auch einen kurzen Abstecher zu Fuß in den hier dichten Trockenwald. zu sehen bekamen wir aber nichts, außer trockenes und verdörrtes Geäst. Also machten wir uns wieder auf den Weg Richtung Morondava. Ein Pflichtstop waren natürlich noch die zum Teil prächtigen Gräber des Sakalavavolkes. Pünktlich zur Abenddämmerung erreichten wir dann die berühmte Baobab-Allee. Dies sind bis zu 30m hohe und sehr beeindruckende Bäume, die einen Durchmesser von bis zu 6m haben, und über 1000 Jahre alt werden. Sie überleben in diesem sehr trockenen Klima durch ihr weiches Holz, in dem sie tausende von Litern an Wasser speichern können. Genau dies bewahrt sie wohl auch vor der Brandrohdung und dem verwenden als Brennholz.

Wir machten einen kurzen Abstecher in den abgelegenen Fischerort Belo-sur-mer. Angeblich sollte es ein schöner Ort zum Baden und Schnorcheln sein, doch es war das genaue Gegenteil. Die Strömungen waren so tückisch und stark, dass wir meist nur knöcheltief ins Wasser gingen. Mit der kulinarischen Reise war es hier auch zu Ende. Es gab Fisch in allen Variationen, aber sonst eben nichts. Wir waren froh, als wir wieder zurück nach Morondava konnten. Dies ist ein kleiner und beschaulicher Ort direkt am Meer, in dem es für Touristen schon Ansatzweise etwas gibt. Zwar gab es dort noch keinen Souvenirladen, aber dafür mehrere gute Restaurants. In diesen verzehrten wir wohl mehrere Zebus und versuchten uns auch einmal an Straußenfleisch. Denn ganz in der Nähe gibt es eine Straußenfarm mit Minizoo. Hier bekamen wir eine Privatvorstellung vom einzigen Angestellten, und beinahe wäre uns ein Lemur vor lauter Neugierde in den Rucksack gefallen.

Leider war unsere Reise hier schon so gut wie zu Ende. Denn wir kamen von hier absolut nicht weiter. Ein Taxi oder Geländewagen war zu bezahlbaren Preisen nicht aufzutreiben, und der nächste Flug ging erst in einer Woche wieder. Und eine Reise auf der Ladefläche eines LKW´s wollten wir uns als Abschluss einfach nicht mehr antun. So buchten wir halt den Flug in einer Woche, und übten uns in der Zwischenzeit in Mora-Mora und Däumchen drehen.
Die letzte Aufregung für diesen Urlaub erlebten wir dann noch frühmorgens am Flughafen in Tana. Denn es ist nicht erlaubt, größere Mengen der einheimischen Währung Franc Malagasy (FMG) außer Landes zu bringen. So versuchte man uns fast sämtliches Bargeld abzunehmen, und als eine Art Trinkgeld bei sich selbst zu verbuchen. Erst als wir richtig laut und unangenehm wurden, wurde ich mit einem Aufpasser aus den Sicherheitsbereich herausgebracht, und konnte mit viel Glück bei einem Passanten in französische Franc tauschen. Denn am Flughafen hatte noch alles zu, und es gab keinerlei Möglichkeit zum Geldausgeben.
Als Fazit gilt: dieses Land und seine Bewohner sind all die Strapazen wert, und wir möchten auf jeden Fall noch einmal wiederkehren. Dann jedoch werden wir unseren Reiseverlauf schon in Deutschland besser durchplanen, und den einen oder anderen Innlandsflug schon vorbuchen. Auch Französichkenntnisse sind bei einer solchen Reise kein Nachteil. Wir schafften es zwar auch ganz ohne, aber es war nicht immer einfach so.
Als Finanzen hatten wir eine Visakarte (taugt nur in Antananarivo was) und Traveller-Schecks in französischen Francs dabei. Wechseln sollte man immer wenn man ein Bank sieht die offen hat, und auch den Wechsel durchführt. Wir hatten dann immer einen Rucksack voller Geldscheine, aber außerhalb von Tana nie Angst um unsere Sicherheit oder unsere Ausrüstung. Die Menschen waren immer sehr hilfsbereit und nett, man muss ihnen nur offen gegenübertreten.
Reisedauer: 16.10.1999 - 06.11.1999
Infos im Internet
Wichtige und gute Informationen für eine Reise nach Madagaskar gibt es auf der Homepage des Deutschen Auswärtigen Amtes. Von allgemeinen Infos zum Land bis hin zu Einreisebestimmungen und Sicherheitshinweise, zu finden unter www.auswaertiges-amt.de
Madagaskar hat in Deutschland eine Botschaft, die unter www.botschaft-madagaskar.de zu erreichen ist.
Auch auf der Seite von www.touring-afrika.de gibt es Reisetipps für eine Madagaskar-Reise, sowie eine langsam wachsende Sammlung von Reiseberichten.
Zum Thema Reisemedizin können wir hier die Seite www.travelmed.de empfehlen. Von Impfungen bis hin zur Liste guter Ärzte und Apotheken ist da allerhand zu finden.
Herzlich willkommen auf TransAfrika, hier finden Sie aktuelle Informationen für ihre Reise oder Safari in Afrika, von reisepraktischen Hinweisen bis hin zu Hintergrund-Informationen über Kultur und Natur Afrikas. Des weiteren werden in zahlreichen Galerien Afrika-Bilder gezeigt, die einfach Lust auf´s Reisen machen. http://www.transafrika.org/
Allgemeine Landesinfos, Wetter, Landkarten, aber auch eine Sammlung weiterer Reiseberichte zu Madagaskar gibt´s auf www.willgoto.com.
Und zum Schluss noch ein Tipp für weitere Reiseberichte und Bilder: Auf den Seiten www.pervan.de, www.reiseträume.de , www.derreisetipp.de und www.reiseberichte.com gibt es noch mehr zum Thema Madagaskar zu finden. |
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