
DORLE UND DIRK UNTERWEGS IN DER WELT



Im September 2010 wurde dieser Reisebericht bei reiseberichte.com (Reiseportal vom Ausstatter Globetrotter.de) zum Bericht des Monats gewählt. Das freut uns beide natürlich riesig. Deshalb an dieser Stelle ein dickes DANKE dafür!
Allgemeine Landesinfo
Korsika hat eine Fläche von etwa 8680 qkm, und hat dank der Lage im nördlichen Mittelmeer ein gemäßigt mediterranes Klima. Da die Insel eigentlich ein einziges Gebirge ist, kann das Wetter auf engem Raum stark schwanken. In den höheren Regionen kann bis in den Juni hinein Schnee liegen, während es an der Küste schon im Frühjahr schön warm ist. Die Amtssprachen sind Französisch und Korsisch, Ajaccio ist die Hauptstadt der Insel.
Offiziell gehört Korsika zwar zu Frankreich, doch all die zerschossenen französischsprachigen Schilder und die überall lesbaren Freiheits- und Unabhängigkeitsparolen lassen wenig Zweifel an der wirklichen Gesinnung der Korsen.
Reisebericht
Korsika - das Gebirge im Meer, Insel der 100.000 Kurven. Namen und Beschreibungen der Insel kennen wir zur Genüge, also wird´s Zeit sie mal zu bereisen. Mitte September 2006 packen wir die Maschinen und düsen los Richtung Mittelmeer. Natürlich nicht auf direktem Weg, ein paar Pässe müssen unterwegs schon noch mitgenommen werden.
Nach zwei Tagen stehen wir dann endlich in Savonna (Italien) im Fährhafen. Im Gegensatz zum hektischen Genua finden wir es hier fast angenehm. Recht relaxt und mit leichter Verspätung geht´s früh am Morgen los. Wir haben Corsica Ferries gewählt, da die uns die besten Preise gemacht haben.

Nach 6 Stunden Fahrt kommen wir dann in L´Ile Rousse im Nordwesten Korsika´s an. Die erste Tat auf der Insel ist ein kleines Bistro in der Stadt entern und die hungrigen Mägen wieder füllen.
Aber wir bestellen nur sehr zögerlich, zuviel haben wir schon vorab von der Preistreiberei auf der Insel gehört. Und wir werden auch nicht enttäuscht, die Gerüchte stimmen. Ein Wässerchen für 3 Euronen und ´nen Imbiss kostet soviel wie in Italien eine ganze Mahlzeit. Na herzlich Willkommen, schlechte Zeiten für dicke Bäuche... Die Stadt selbst wirkt verschlafen und auf dem Stadtplatz im Schatten hoher Bäume wird Boule gespielt.
Dann geht es ein paar Kilometer entlang der Küste, bevor wir auf die N2197 nach Süden abbiegen. Kaum runter von der roten "Küstenautobahn" wird die Fahrbahn schon deutlich enger und es folgen Kurven, Kurven, Kurven. Ein wahres Feuerwerk an Schräglagen bricht los, ohne Ohren würde jetzt der ganze Kopf grinsen. Hoch, runter, links, rechts..... - wer oder was ist eine Gerade und wofür ist bitte der 4.Gang?
Das Ganze führt durch schöne und abwechslungsreiche Landschaft. Zerfurchte Felsmassive mit meist kargem Bewuchs, dazwischen immer wieder riesige Agaven, blühende Kakteen und kleine Bergdörfer.

Jede Kurve ist hier wie ein Ü-Ei, man weiß nie was man bekommt. Mal steht ´ne Kuh auf der Straße, mal liegen deren Tretminen auf der gedachten Ideallinie, oder Sand + Schotter sorgen für zusätzlichen Fahrspaß. Aber immer griffiger Asphalt, von Bitumen keine Spur.
So düsen wir über die Insel und genießen die ersten Eindrücke und Ausblicke, freuen uns mit jedem Kilometer schon auf die kommenden Touren. Am Abend beziehen wir dann unseren schon vorher reservierten Bungalow in Aleria, an der Ostküste der Insel, und direkt am Meer. Das Ding ist zwar prima
ausgestattet, aber recht eng, hellhörig und schaukelt das man beinahe Seekrank wird.
Am nächsten Vormittag bunkern wir im nahen Supermarkt erst mal kräftig Vorräte, denn bei den hier üblichen Preisen werden wir wohl nicht oft essen gehen.
Aleria ist ein kleines Nest mit einem SuperU (Supermarkt), Tankstelle und zwei, drei anderen Einkaufsmöglichkeiten, aber nichts Nennenswertem. Der Strand selbst ist lang und schön sandig, aber zu unserer Zeit nicht besonders gepflegt und frei von Schatten. Die Umgebung ist geprägt durch Weinanbau, und fast eben.
Mittags studieren wir dann erst mal die Landkarte, etwas südwestlich im Landesinneren gelegen gibt es eine Region die Fiumorba heißt und uns dank all der sehr kleinen und übel-kurvigen Straßen sehr anmacht. Also nix wie los.

Ein Traum ist das hier. Dichtester Bergwald, der mit seinen Lianen oft schon fast an Dschungel erinnert, und Sträßchen die manchmal so eng sind das wir mit den Mopeds gerade so rum kommen. Zweiter Gang, mehr geht oft nicht. Wir lassen uns einfach so treiben, nur selten fällt der Blick mal auf die Straßenkarte oder gar auf´s mitlaufende Garmin-GPS. Viel zu schön ist dafür die Landschaft, die immer wieder zwischen Bergwald, Buschland und dichtem Dornengestrüpp (Macchia) wechselt.
In drei Stunden treffen wir 2 Motorräder und 3 Autos, also ordentlich was los hier. Die Mühe einer richtigen Rundtour braucht man sich hier eigentlich gar nicht machen, eine Straße ist schöner wie die Andere, hinter jeder Kurve gibt´s was anderes zu entdecken. Hohe Kiefern wechseln hier laufend mit großen Kastanienbäumen und frisch "geschälten" Korkeichen, die dunkelrot leuchtend am Straßenrand kaum zu übersehen sind.

Abgesehen von den sehr selten anzutreffenden Menschen ist hier aber tierisch was los. Ab und an treffen wir auf halbwilde Schweine die hier völlig frei herumlaufen und uns neugierig beäugen, oder man kommt unvermittelt in eine die Straße querende Ziegenherde. Aber die schönste Überraschung war eine kleine Landschildkröte, die unbeirrt vor uns über die Straße wollte. Echt süß, vor allem ließ sie sich von uns absolut nicht aus der Ruhe bringen, und strafte uns durch Nichtbeachten.
Für den nächsten Tag haben wir uns einen Tourenklassiker im Südosten der Insel ausgesucht,
wir wollen das zerklüftete und eindrucksvolle Bavella-Massiv unter die Räder nehmen.
Auf der N198, die wir immer als Küstenautobahn bezeichnet haben, geht es zügig gen Süden, bis wir in Solenzara nach Westen abbiegen. Der Blinker ist kaum aus, da ist´s auch schon wieder vorbei mit zügig. Sand, Schlaglöcher und wieder mal Kurven ohne Ende verzaubern uns, und lassen die Maschinen von einer auf die andere Seite fallen, das Seitenprofil ist wieder mal gefragt. Hier bei Solenzara sehen wir auch die ersten zwei von noch vielen folgenden Abenteuerparks, die unseren Hochseilgärten ähneln. Wer auf dem Motorrad nicht genug Adrenalin abbekommt kann sich dort in dünnen Stahlseilen zwischen den Baumwipfeln den Rest geben.
Uns langt vorerst all das Zeugs auf der Straße, denn bei allzu forscher Schräglage versetzt es ab und an mal das Hinterrad und sorgt so für kurzzeitige Adrenalinschübe und ein sattes und zufriedenes Kurvenräuber-Grinsen. Durch anfänglichen Mischwald geht es stetig bergauf, nach und nach wechselt es in eine Hochgebirgslandschaft mit dichten Kiefernwäldern und hohen Bergmassiven.

Oben am Col de Bavella kommen wir uns fast wie in den Dolomiten vor. Wild zerfurchte Felsmassive und die beeindruckenden, windschiefen und knorrigen Laricio-Kiefern bieten ein beeindruckendes Szenario. Wir können uns kaum sattsehen. Leider geht´s hier oben zu wie im Zoo, so viele Leute laufen herum. Müssen die alle ausgerechnet heute hier sein?!?
Über Zonza schlängeln wir uns langsam aber sicher wieder bergab Richtung Küste, vorbei am Stausee von Ospédale, aus dem lauter tote Baumstümpfe herausragen. Kurz hinter dem See gibt´s dann noch eine Panorama-Kurve, denn von dort haben wir eine
sehr schöne Aussicht auf den vor uns liegenden Küstenstreifen mit der Bucht von Porto-Vecchio, unserem nächsten Ziel.
Dort stärken wir uns kurz in einem Cafe im Yachthafen, bevor wir auf die Halbinsel unterhalb der Stadt weiterfahren. Beim Leuchtturm am Punta di a Chiappa hat´s nicht nur schöne Aussichten auf die umgebende Küste, sondern im dichten Dornengestrüpp finden sich auch noch einige Kriegsreste aus vergangenen Zeiten. Ein paar Kilometer weiter, am schönen Sandstrand von Palombaggia bereuen wir das wir keine Badesachen mitgenommen haben. Hier ist´s doch deutlich schöner wie bei uns in Aleria.

Aber was soll´s, Jammern hilft nichts. Wir bestrafen uns noch kurz mit einem Eis, und genießen auf den folgenden Kilometern entlang der Küste einfach die schönen Aussichten und machen uns langsam wieder auf den Heimweg. Dazu wählen wir ab Porto Vecchio abgesehen von einem kleinen Abstecher über die nördlich gelegene 468 die Küstenautobahn N198, und sind kurz nach Sonnenuntergang wieder am Bungalow.
Abends genießen wir die bezahlbare Verpflegung unserer Bungalow-Küche und lassen uns das Pietra schmecken, während wir den nächsten Tag planen. Pietra ist eines der korsischen Biere, gebraut aus Kastanien, wie könnte es auch anders sein.
Abwechslung muss sein, also geht es am nächsten Morgen in´s Bergland, unsere heutigen Ziele sind das Ascotal sowie das Restonicatal. Durch das meist dicht bewaldete Tal der Tavignone geht es auf der gut ausgebauten N200 nach Corte und weiter gen Norden, bis Ponte Leccia. Kurz drauf geht´s links ab in die Gorges de l´Asco, die wir aber schon nach wenigen Kilometern für einen Abstecher nach Castifao verlassen.

Dort oben steht die 1569 erbaute Kirche St.Francesco de Caccia, die während der französischen Revolution zerstört wurde.
Das besondere an dieser Ruine sind aber die aus Platzmangel im Laufe der Zeit innen angelegten Gräber, und das schummerige Licht, welches durch das löcherige Dach hereinfällt, und für eine seltsame Stimmung sorgt, indem es das Innere der Kirche in ein divuses Licht taucht. Die Ruine ist zwar wegen Einsturzgefahr gesperrt, aber man bekommt auch so genug mit, und es ist ein lohnenswerter Abstecher.
Kaum zurück im nun beginnenden Ascotal wird die Straße deutlich schmaler, die Felswände kommen immer näher und auch die Geraden werden immer weniger. Aus dem Tal wird eine wild zerklüftete Schlucht, wir bewegen uns immer eng am Fels entlang nach Westen. Eine grandiose Kurvenstrecke in
toller Landschaft, man ist hin und her gerissen zwischen Gasgeben und Landschaft genießen.
im AscotalKurz hinter dem Bergdorf Asco geht´s bergauf. Durch schönen Kiefernwald folgt Kurve auf Kurve, die Strecke ist wirklich nichts für Eckenschieber und Geradeausfahrer. Nach und nach wird es hochalpin, bis wir auf 1400m Höhe die Ski-Station Haut-Asco erreicht haben. Hier kann man im Bergwanderhotel Kaffee-Stop machen, den Maschinen eine Verschnaufpause gönnen und die Aussicht auf den Monte Cinto mit seinen über 2700m Höhe genießen.
Im Kurvenrausch geht es wieder hinab, nur unterbrochen von ein paar Fotostops. Auf der gut ausgebauten N193 kommen wir zügig nach Corte, wo wir uns in der Innenstadt erst mal einen anständigen Café Creme gönnen und die hier übliche Mode amüsiert bestaunen. Jeder der etwas auf sich hält versteckt sich hinter riesigen Brillen, die uns an Puck die Stubenfliege erinnern. Die Hauptsache ist groß und teuer, denn überall prangen Modenamen drauf, die nicht unbedingt zu den Schnäppchen gehören. Zum Glück versteht uns keiner - wir lästern was das Zeug hält, denn die meisten sehen mit diesen Ungeheuern im Gesicht einfach nur dämlich aus. Kurz bummeln wir noch an der alles überragenden Zitadelle entlang durch die kleinen Gassen, bevor wir nach einem Versorgungsstop am großen Supermarkt wieder gen Aleria düsen. Aus dem geplanten Abstecher in das nahe Restonicatal wird nichts mehr, wir haben vorher zu viel herumgebummelt, und es dämmert langsam.
Den nächsten Vormittag verbringen wir mit süßem Nichtstun und ein wenig im Mittelmeer baden. OK, das Wasser könnte ruhig ein paar Grad wärmer sein, aber Spaß macht es trotzdem. Erst am Nachmittag düsen wir noch mal los, erkunden die umliegenden Lagunen und Weinberge, Offroad natürlich. Am Fluss Tavignano entlang geht es durch meterhohes Schilf, aber meist enden wir in Sackgassen. Uns macht´s trotzdem riesig Spaß, denn niemand kümmert sich hier darum wenn wir die Feld- und Wiesenwege entlangfahren. Warum geht das bei uns nicht auch?

Unser mitgenommenes Tourenbuch (siehe Buchtipp unten) spricht von einem grünen Kurvenlabyrinth mit traumhaften Ausblicken. Gemeint ist damit die Castagniccia, eine dicht bewaldete und bergige Region genau zwischen Aleria und Bastia. Optimal für uns, und schon steht die nächste Tagestour.
Über die Küstenautobahn geht´s nordwärts, bis wir einige Kilometer vor Moriani-Plage ins Bergland abbiegen. Sofort beginnen wieder die Kurven, es geht bergauf in das Bergdorf Cervione, das sich malerisch an den Berg schmiegt und schöne Ausblicke auf das Meer bietet. Wir biegen ab auf die D71 und verschwinden kurz drauf im Wald, entlang der Straße immer wieder viele Kastanienbäume, dick voll mit reifen Kastanien.

Bei Piedicroce erkunden wir ein altes Franziskanerkloster, das halb zerfallen und fast völlig überwuchert einsam und etwas außerhalb des Ortes steht.
Ein geschichtsträchtiger Ort, schon Napoléon soll das Gebäude genutzt haben, bevor es von den Deutschen 1943 bombardiert wurde. Seitdem ist das Gebäude sich selbst und der Natur überlassen, die es unübersehbar langsam aber sicher zurückerobert.
Weiter geht es durch das grüne Kurvenlabyrinth,
denn das Tourenbuch hat nicht zuviel versprochen. Wir lassen das Seitenprofil der Reifen mal wieder richtig leiden... Ab Morosaglia wird´s richtig grob, wir biegen ab gen Süden und kämpfen uns auf kleinsten und oft sehr unübersichtlichen Sträßchen vorwärts. Nur noch selten kommen wir aus dem zweiten Gang raus, die längste Gerade ist hier nur wenige Motorradlängen lang. Ein Bikertraum !!!
Der dichte Wald mit dem undurchdringlichen Unterholz und all den Lianen hat auch hier schon fast etwas von Dschungel. Aus dem Unterholz kommen immer mal wieder halbwilde Schweine, die laut schreiend und gierig angerannt kommen, sobald man kurz anhält. Parallel zur N200 fahren wir weiter durch das hier sehr einsame Bergland, die wenigen Bergdörfer die wir passieren wirken oft grau, trist und halb verlassen. Aber wen wundert´s, denn welcher junge Mensch möchte schon so abgelegen von allem leben? Geschafft aber glücklich und zufrieden düsen wir die letzten Kurven durch Olivenbaumhaine hinab Richtung Küste und unserer Bleibe.
Beim Programm des nächsten Tages hat sich die Damenwelt durchgesetzt. Stadtbummel ist angesagt. Aber nicht irgendwo, sondern in der spektakulärsten Stadt der Insel - Bonifacio. Dafür heißt es aber erst einmal Strecke machen, denn von unserem Stützpunkt aus sind es etwa 100km bis in den südlichen Zipfel der Insel.
Bei Fautea, etwa auf der Hälfte der Strecke bietet sich ein sehr gut erhaltener Genueser-Turm als Pausenstop an. Leider ist er entgegen unserer Informationen verschlossen, aber man hat schöne Ausblicke auf die umliegenden Buchten mit dem oft türkis schimmernden Wasser.

Nach dem schnurgeraden (und das auf Korsika!!) Endspurt auf der N198 erreichen wir nun Bonifacio, eine Festungsstadt spektakulär auf zerklüfteten Klippen gelegen. Einige der Häuser scheinen direkt über dem Abgrund zu schweben, am Horizont ist ganz deutlich die italienische Insel Sardinien zu sehen. Zum Glück sind wir nicht mit einem Auto hier, deshalb rauschen wir auch direkt in die Oberstadt und bummeln dort durch die kleinen und engen Gassen der Altstadt innerhalb der Zitadellenmauern.
Eine wirklich sehenswerte Stadt, auch wenn sie fest
in den Händen des Tourismus ist. Die Stadt muss eine sehr bewegte Vergangenheit hinter sich haben, das merkt man auch ohne Studium von Geschichtsbüchern. Denn die alte Zitadelle überragt und dominiert wirklich alles, auch die Einfahrt des sehr schönen Naturhafens ist überall mit alten Verteidigungsanlagen gespickt. Am Ende dieses Hafens, der sich zwischen den hoch aufragenden Kalkfelsen versteckt, hat man dann noch ein paar schöne Blicke auf die Oberstadt und die Festungsanlagen.
Auf dem Heimweg machen wir dann noch einen Abstecher in die Bucht von Rondinara, wo sich ein weiterer Topstrand Korsika´s verstecken soll. Die Fahrt dorthin führt durch eine zerklüftete und felsige Landschaft mit viel Dornengestrüpp und gespenstischen Baumgerippen, die wohl einem großen Brand zum Opfer gefallen sind. Die fast kreisrunde Bucht selbst ist wirklich einen Besuch wert, türkisfarbenes Wasser und feiner Sandstrand laden zum Baden ein. Natürlich können auch wir nicht widerstehen und stürzen uns ins kühle Nass.
Leider kommen wir hier erst viel zu spät wieder los, und kommen so unterwegs in den zweifelhaften Genuss einer Fahrt im Dunkeln. An sich nicht so schlimm, denn unsere Maschinen verfügen über gute Scheinwerfer. Aber die wahnsinnigen Korsen fahren großteils wirklich bis zur Dunkelheit ganz ohne Licht, erst dann wird das Standlicht ! eingeschaltet. So wird Überholen zur Lotterie und wir sind froh als wir Aleria sicher erreichen.
Am nächsten Tag steht mal wieder ausschlafen und relaxen auf dem Programm. Nach dem Mittag dann kann uns Stefan, der mit seiner Chefin auch mit von der Partie ist zu einer kleinen Offroad-Runde durch die Umgebung überreden.
Stefan bei der SchlammduscheZum Warmfahren düsen wir auf sandiger aber fester Piste zum halb zerfallenen Genueserturm nördlich von Aleria, bevor es dann auf oft ausgewaschenen Pfaden durch das dornige Unterholz geht.

Einfach herrlich, Endurowandern vom Feinsten. Bis auf eine Steilabfahrt, wo wir Stefan ganz schön schwitzen lassen. Denn erst darf er die Maschinen der Frauen hinabfahren, und anschließend mir beim Herunterruckeln meines mir plötzlich viel zu schweren Eisenhaufens à la Transalp stabilisierend helfen. Wir strahlen um die Wette, wie gern hätten wir solche Möglichkeiten auch daheim zur Verfügung.
Doch an der Eisdiele des Ortes holt uns die Wirklichkeit wieder ein. Unvorsichtig wie wir manchmal sind haben wir uns jeder einen Eisbecher mit drei Kugeln Eis bestellt, ohne vorher nach dem Preis zu fragen. Serviert wurde eine Schale mit drei winzigen Eisbällchen, frei von Verzierung, Sahne oder sonstwas, kosten sollte die Frechheit dann stolze 4,50 Euro pro Schälchen. Na Mahlzeit.
Bei der Rückkehr auf den Campingplatz kommt ordentliche Brandung auf, also verbringen wir den Rest des Tages laut quiekend in den über uns zusammenbrechenden Wellen.
Was am Tag vorher noch durch hohe Brandung für Spaß sorgte, beschert uns am folgenden Vormittag sehr ruhige Stunden. Denn über Nacht zog ein heftiges Unwetter über uns hinweg, und es schüttet zeitweise dermaßen dass sich unsere Straße in einen See verwandelt.
Nach dieser Zwangspause starteten wir dann am nächsten Vormittag wasserfest verpackt gen Norden. Heute wollen wir das Cap Corse, den nördlichen Zipfel der Insel umrunden, doch leider spielt das Wetter noch nicht ganz mit. Immer wieder gibt´s ein paar Tropfen von oben, aber im Vergleich zum Vortag ist das nichts. Im dichten Berufsverkehr quälen wir uns nach Bastia, unsere erste wirklich große Stadt hier auf Korsika. Dank des Schmuddelwetters und dem viel zu dichten Verkehr halten wir uns hier aber gar nicht lange auf, sondern düsen am Hafen vorbei direkt wieder aus der Stadt hinaus.

In langen und zügig zu fahrenden Kurven schlängeln wir uns die Ostküste des Cap Corse nordwärts, immer wieder vorbei an alten Genuesertürmen, und an kleinen Küstenorten, die jeden möglichen Quadratmeter ins Meer hinausgebaut haben, wie z.B. Erbalunga. Irgendwie passt das düstere Wetter zu der recht menschenleeren und oft schroffen Küstenlandschaft.
Ganz im Norden verlassen wir die D80 und schrauben uns hinab zum Meer, in das verschlafene Nest Barcaggio. Mit Blick auf die Ile de la Giraglia und ihrem Leuchtturm lassen wir uns die steife Brise um die Nase wehen. Diese unbewohnte Insel ist übrigens der nördlichste Punkt Korsikas. Uns präsentiert sich dieses Fleckchen heute schroff und abweisend, was aber wohl hauptsächlich am Wetter liegt. Im Windschatten einer Hausmauer machen wir Mittag, und beobachten die Schiffe im Hafen, wie sie von Wind und hereinkommenden Wellen hin- und hergeschaukelt werden. Wirklich sturmfest sieht das nicht aus....
Frisch gestärkt geht es in unzähligen Kurven wieder bergauf, bis wir an den Mühlen von Moulin Mattei eine grandiose Sicht über die nun vor uns liegende Westküste, und unserem nächsten Ziel, dem kleinen Hafen Centuri Port haben.

Die Strecke bergab könnte in einigen Bereichen kaum unübersichtlicher sein. Nix mit mal eben da runter, das Stück zieht sich ganz gut.
Unten erwartet uns ein beschaulicher und idyllisch anzusehender Fischerort, angeblich ein wichtiger Hafen in Sachen Langustenfischerei. Ein Blick in die Speisekarten löst mal wieder "Schnäppchenalarm" bei uns aus. 120 Euro für das Kilo Langusten, wir begnügen uns doch gern mit einem guten Café Creme.
Die folgenden Kilometer entlang der schroffen
Westküste haben es in sich. Direkt am Abgrund entlang geht es oft über Schotter und Sand, der hier wohl zusätzlich zum Schutz der eigentlichen Asphaltdecke ausgebracht wird, so oft liegt das Zeugs auf der Straße. Ziegen, Kurven ohne Ende und die oft atemberaubende Aussicht auf die Steilküste zerren zusätzlich noch an der Konzentration. Die Straße ist eigentlich eine einzige Kurve, die sich mal auf mal ab, meist hoch oberhalb der Küste entlangschlängelt. Nichts für Leute mit Höhenangst. Zwischen Abro und Nonza sehen wir immer wieder grau-schwarze Sandstrände. Ob es wohl immer noch Spätfolgen der stillgelegten Asbestfabrik sind, die gespensterhaft bei Abro am Berg klebt? Unser Tourenbuch jedenfalls behauptet es.
Am Ende unserer Cap Corse Rundfahrt, am Col de Teghime, ist nichts mit toller Aussicht. Wir können es nur erahnen, bei uns ist alles dicht wolkenverhangen, es beginnt mal wieder zu regnen. Also kämpfen wir uns bei einbrechender Dunkelheit und dichtem Berufsverkehr wieder zurück nach Aleria.

Der nächste Tag ist mal wieder ohne festes Programm, uns machen beim Blick in die Straßenkarte schon wieder all die kleinen Bergstraßen direkt im Hinterland an. Also machen wir mal wieder eine "Garmin-Tour". Das heißt wir suchen uns einen Ort in der Karte aus, zu dem möglichst kleine Straßen führen, und lassen uns dann von unserem Garmin-GPS-Gerät dorthin führen. Einfach genial, vor allem wenn man die Rubrik "kürzeste Strecke" wählt und dabei alles außer Schnellstraßen zulässt. Wir kurven rund um Antisanti, Vivario und Ghisoni und bekommen
wieder mal das volle Programm. Die Kurven wechseln zwischen eng und enger, und die Landschaft wechselt zwischen Bergwald und typischer Macchia, die in vielen Bereichen einfach herrlich nach Kräutern duftet. Noch ein bisschen Schotter und ein paar Fotos und wir düsen wieder hinab zur Küste, Mitbringsel und einen neuen Hinterreifen für die Honda kaufen. Denn der raue und griffige Asphalt hier auf Korsika ist ein wahrer Reifenkiller, man kann zuschauen wie das Profil schwindet.....
Für unseren vorletzten Tag auf der Insel haben wir uns noch eine Tour in den Norden ausgesucht, wo wir hoffentlich auch ein bisserle Offroad fahren können. Denn das ist bisher ein wenig zu kurz gekommen, und in der Desert des Agriates wollen wir das ändern.

Zum Strecke machen geht es wieder auf die Küstenautobahn, bis Ortale, das zwischen Bastia und Borgo liegt. Dort biegen wir ab auf die D82, der Blinker ist noch nicht ganz aus und der Fahrspaß beginnt. Auf zügig zu fahrenden Kurven geht es eine felsige Schlucht entlang bergauf, man hat immer wieder schöne Ausblicke auf die Küste.
Bei Murato halten wir an der kleinen toskanischen Kirche San Michele, die schachbrettartig gemustert ist, und rundherum mit Skulpturen verziert ist. Wirklich ein kleines Schmuckstück und willkommener Pausenstop. Kurz drauf biegen wir auf die D62 und düsen auf recht einsamer Strecke westwärts. Fels, Wald, Macchia und kleine Bergdörfer wechseln sich ab. In einem dieser Nester finden wir ein Café, wo mal richtig was los ist. Also nix wie rein da, die Mägen knurren eh schon wieder. Schnell merken wir das all die Leute um uns herum zu einem gerade zurückgekehrten Jagdtrupp gehören. Während wir unsere Baguettes genießen wird aus dem Geländewagen hinter uns eine erlegte Wildsau gezogen. Also ballern die hier doch nicht nur auf Straßenschilder, denn Schrotpatronen sind auf Korsika scheinbar etwas ganz normales. Leer liegen sie überall im Bergland herum, und voll bekommt man sie im Kiosk und an fast jeder Tankstelle.

Bei Casta biegen wir dann endlich ab von der Teerstraße, laut unserem Garmin haben wir nun 12 km Offroad-Spaß bis zum Strand von Saleccia.
Und wir werden auch nicht enttäuscht. Durch herrliche Felslandschaft voll mit Dornengestrüpp schlängelt sich die Piste. Bodenfreiheit ist gefragt, Joghurtbecher und PKW´s fühlen sich hier sicher nicht mehr wohl. Schlammige Wasserdurchfahrten wechseln mit felsigen und zerfurchten Abschnitten, ab und an kommt auch mal Sand, Schotter und Geröll dazu. Endurowandern vom allerfeinsten, wieder einmal haben wir ein Rundumgrinsen im Gesicht.
Verschwitzt aber glücklich kommen wir dann nach tatsächlich etwa 12 km an einem kleinen Campingplatz! (mitten in der Einöde) vorbei zum Strand von Saleccia. Durch den hier dichten und hohen Bewuchs hindurch sehen wir weißen Sandstrand
und türkises Wasser, warum bloß haben wir unsere Badesachen daheim gelassen?!? Ein wirklich schönes Fleckchen Erde, der schöne Strand, das Wasser und im Hintergrund die Berge.... Nach einer längeren Pause raffen wir uns wieder auf und düsen die gleiche Route wieder zurück zur Teerstraße. Laut unserer Papierkarte und dem GPS nach müsste die Piste die Küste entlang weiter nach Westen führen, aber nach einigem Suchen geben wir auf, wir finden keine brauchbare Abzweigung. Ist aber nicht weiter schlimm, denn zurück machen die 12 km mindestens genau so viel Spaß wie hin.
Fährt man die D81 weiter gen Westen, hat man immer wieder schöne Aussichten auf diese menschenleere Einöde, die zwar eine einsame Felslandschaft ist, aber ansonsten nicht wirklich etwas mit Wüste zu tun hat. Für uns dennoch ein lohnenswertes Tourenziel, das wir bei unserer nächsten Korsikareise sicher näher erkunden werden. Dann aber mit Zelt und allem was dazugehört, denn der kleine Campingplatz sah sehr gemütlich aus.

Über die "Innlandautobahnen" N197, N193 und die N200 geht es dann zügig über Corte wieder zurück zu unserem Stützpunkt.
Den letzten Tag verbringen wir dann noch einmal mit Baden, relaxen und packen, bevor uns dann mitten in der Nacht der Wecker aus den Träumen reißt. Denn wir haben die Frühfähre von Bastia nach Savonna gebucht, die um 08:30 Uhr relativ pünktlich die Insel verlässt. Von Bord werfen wir noch einen letzten Blick zurück auf Bastia, bevor sich jeder ein gemütliches Plätzchen sucht, um die nächsten 6 Stunden auf der Fähre rumzubringen.
Auch für die Heimfahrt haben wir uns noch etwas Zeit aufgespart, und so müssen wir Mittags nach Verlassen der Fähre "nur noch" bis zum Gardasee fahren. Hier suchen wir uns im Dunkeln eine günstige Bleibe, bevor wir dann am nächsten Morgen bei leichtem Regen die entgültige Heimfahrt antreten. Leider verlässt uns hier das Glück, denn etwa 15 Minuten nach der Abfahrt wird der Transalp die Vorfahrt genommen, und es kommt was kommen musste: Mensch und Maschine gehen zu Boden, überstehen das Ganze aber zum Glück nur leicht beschadet. Die zu Hilfe gerufene italienische Polizei ist leider alles andere als eine Hilfe, die schlägt sich gleich auf die Seite des Unfallverursachers, natürlich auch ein Italiener..... Aber wartet mal ihr Mafiosi, man sieht sich immer zwei Mal im Leben.
Kurz nach dem Passieren der deutschen Grenze dann der nächste Zwischenfall, die zweite Honda bleibt mit einem Motorschaden bei Wolfratshausen im Süden von München liegen. Die letzten Kilometer legt sie dann huckepack auf einem ADAC-Abschleppwagen zurück. So sind dann erst um 00:30 Uhr die letzten beiden von uns nass und durchgefroren bis auf die Knochen wieder zu Hause.
Abgesehen davon, dass wir einige Preiskalkulationen auf Korsika absolut nicht nachvollziehen konnten, ist diese Insel im Mittelmeer unbedingt eine Reise wert. Eine tolle und abwechslungsreiche Landschaft zusammen mit den kurvigen Straßen macht sie zu einem Paradies für Motorradfahrer (aber sicher auch für Wanderer). Leider haben wir uns im Vorfeld der Reise mit dem Vorankommen total verschätzt. Wir haben es nicht einmal an die Westküste geschafft - aber so haben wir wenigstens einen guten Grund mehr noch einmal wiederzukommen.
Wir waren vom 15.09.06 bis zum 01.10.06 unterwegs, und haben dabei etwa 3500km zurückgelegt.
Der Titel ist Programm. 10 gut ausgearbeitete Touren, dazu Detailkarten, eine Menge schöner Fotos und nebenbei noch zusätzliche Infos und Vorschläge für lohnenswerte Abstecher. Wer nach der Lektüre dieses Buches keine Lust auf Korsika hat sollte besser daheim bleiben. Absolut empfehlenswert.
Dieser Bildband ist zwar nicht wirklich wichtig für eine Reisevorbereitung, aber er enthält dennoch ein paar nette Besichtigungstipps und vor allem eine Vielzahl an tollen Bilder, die so richtig Lust auf eine Korsika-Reise machen.
Wer im Kurvengewimmel Korsika´s selbst mit Auto oder Motorrad unterwegs ist, braucht auf jeden Fall eine gute Straßenkarte in möglichst kleinem Maßstab. Wir waren mit der Shell-Karte im Maßstab 1:200.000 sehr zufrieden, auch kleinste Straßen und Orte waren meist auf der Karte zu finden.
(durch das direkte Bestellen unterstützen Sie uns ein wenig im Unterhalt dieser Homepage)
Infos im Internet
Der Autor des unter Buchtipps aufgeführten Tourenbuches betreibt auch eine sehr empfehlenswerte Homepage, die unter www.bike-and-smile.de zu finden ist. Von Biketouren über Wandertipps und Wissenswertem bis hin zu weiterführenden Links gibt´s dort eine Menge zu entdecken.
Eine weitere geballte Ladung an guten Informationen, viele Links und Bilder zu Korsika bietet der Schweizer Martin Lendi auf seiner Seite www.paradisu.ch an.
Unter www.klaus-schwenk.de/korsika/index.htm bietet Klaus Schwenk Informationen zu Land & Leuten an. Die Seite ist sehr übersichtlich gestaltet und bietet eine Fülle an guten Infos und schönen Bildern.
Wichtige und gute Informationen für eine Reise nach Korsika/ Frankreich gibt es auf der Homepage des Deutschen Auswärtigen Amtes. Von allgemeinen Infos zum Land bis hin zu Einreisebestimmungen und Sicherheitshinweise, zu finden unter www.auswaertiges-amt.de
Zum Thema Reisemedizin können wir hier die Seite www.travelmed.de empfehlen. Von Impfungen bis hin zur Liste guter Ärzte und Apotheken ist da allerhand zu finden.
Allgemeine Landesinfos, Wetter, Landkarten, aber auch eine Sammlung weiterer Reiseberichte zu Korsika gibt´s auf www.willgoto.com.
Und zum Schluss noch ein Tipp für weitere Reiseberichte und Bilder: Auf den Seiten www.die-reise.de , www.pervan.de, www.reiseträume.de , www.derreisetipp.de und www.reiseberichte.com gibt es noch mehr zum Thema Korsika zu finden. |
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